E-Mail baut Kundenbeziehungen.
Aber nur, wenn man es richtig angeht.

Warum der Tonfall Ihrer E-Mails wichtiger ist als Versandzeitpunkt und Betreffzeile. Und warum der klassische Newsletter ausgedient hat.

Jedes Unternehmen verschickt E-Mails an Kunden. Die wenigsten kommunizieren dabei tatsächlich mit ihnen. Der Newsletter geht als Massenversand an alle, die Inhalte handeln vom Absender, und der Empfänger merkt es sofort: Das ist keine Nachricht an mich. Das ist eine Nachricht an eine Liste.

Dabei hat E-Mail eine Eigenschaft, die kein anderer digitaler Kanal bietet. Der Empfänger hat aktiv zugestimmt, vom Absender zu hören. Kein Algorithmus hat den Kontakt hergestellt. Keine Plattform steht zwischen Absender und Empfänger. Wer in einem Posteingang landet, hat einen Vertrauensvorschuss bekommen. Und die Frage ist, was man daraus macht.

Im B2B wiegt dieser Vorschuss besonders schwer. Geschäftsbeziehungen entstehen über Monate und Jahre. Ein Geschäftsführer, der heute eine E-Mail liest, wird vielleicht erst in acht Monaten ein Projekt vergeben. In der Zwischenzeit bildet er sich eine Meinung über den Absender, und jede E-Mail trägt dazu bei. Ob diese Meinung „die wollen mir etwas verkaufen" oder „die verstehen mein Geschäft" lautet, hängt davon ab, wie die E-Mails klingen und was in ihnen steht.

Die Stimme im Posteingang

Die meisten Unternehmen optimieren ihre E-Mails auf Versandzeitpunkt, Frequenz und Betreffzeile. A/B-Tests für den Betreff, Analysen zur besten Uhrzeit, Diskussionen über wöchentlich oder monatlich. Das sind handwerkliche Fragen, und sie sind berechtigt. Aber sie betreffen die Verpackung. Was sie nicht betreffen: wie die E-Mail klingt.

Jede geschäftliche E-Mail hat einen Tonfall. Manche klingen wie ein Formular, manche wie eine Pressemitteilung, manche wie ein Gespräch unter Kollegen. Leser erkennen innerhalb von zwei Sätzen, mit wem sie es zu tun haben. Wortwahl, Satzbau, die Art, wie ein Gedanke aufgebaut wird, all das transportiert eine Haltung. Und auf diese Haltung reagieren Empfänger stärker als auf den eigentlichen Inhalt.

Einzelne Inhalte vergisst man schnell. Den Gesamteindruck, den jemand beim Schreiben hinterlässt, vergisst man nicht.

Im B2B-Bereich wechseln Ansprechpartner selten. Derselbe Mensch liest über Monate oder Jahre E-Mails desselben Absenders. Er entwickelt ein inneres Bild davon, wie dieser Absender denkt und arbeitet. Dieses Bild entsteht aus dem Tonfall. Einzelne Inhalte vergisst man schnell. Den Gesamteindruck, den jemand beim Schreiben hinterlässt, vergisst man nicht.

Warum Konsistenz mehr zählt als Brillanz

Manche Unternehmen versuchen, jede E-Mail zu einem kleinen Erlebnis zu machen. Mal locker und kumpelhaft, mal sachlich-förmlich, mal mit einer provokanten These als Einstieg. Das Problem dabei: Wenn der Tonfall bei jeder E-Mail wechselt, weiß der Leser nicht, mit wem er es zu tun hat. Er kann kein Bild aufbauen, weil sich das Bild ständig verschiebt. Das Ergebnis ist Gleichgültigkeit.

Ein konsistenter Tonfall erzeugt Wiedererkennung. Der Empfänger öffnet die E-Mail und weiß nach dem ersten Absatz: Ah, das sind die. Er kennt die Art, wie dort argumentiert wird. Er hat eine Erwartung, und diese Erwartung wird erfüllt. Wiedererkennung ist die Grundlage jeder Beziehung, auch einer geschäftlichen.

Das heißt nicht, dass jede E-Mail gleich klingen muss. Themen wechseln, Perspektiven ändern sich, der Anlass ist jedes Mal ein anderer. Aber die Stimme dahinter bleibt erkennbar. Wie bei einem Autor, der über verschiedene Themen schreibt und trotzdem immer nach sich selbst klingt.

Eine Stimme lässt sich nicht kopieren

Unternehmen, die „authentisch" klingen wollen, schauen oft, wie andere es machen. Sie lesen Newsletter, die viele Abonnenten haben, analysieren den Tonfall und versuchen, ihn zu übernehmen. Das funktioniert selten. Ein kopierter Tonfall klingt kopiert. Er hat keine Substanz dahinter, weil die Erfahrungen fehlen, aus denen der Originalton entstanden ist.

Eine eigene Stimme entwickelt sich, wenn jemand über Themen schreibt, von denen er tatsächlich etwas versteht. Wenn die Beispiele aus der eigenen Arbeit stammen und die Einschätzungen auf echter Erfahrung basieren. Dann muss niemand über Tonfall nachdenken, weil der Tonfall aus dem Inhalt entsteht. Wer seit zehn Jahren in einer Branche arbeitet und über seine Arbeit schreibt, klingt anders als jemand, der ein Thema für eine E-Mail recherchiert hat. Den Unterschied spürt der Leser.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Person, die die E-Mails schreibt, muss nah genug am Geschäft sein, um aus eigener Erfahrung zu berichten. Ein externer Texter kann unterstützen, aber die Substanz muss aus dem Unternehmen kommen. Sonst klingt es nach Dienstleister, und der Empfänger merkt das.

Warum der klassische Newsletter ein schlechtes Format ist

Der klassische Firmen-Newsletter folgt einem bekannten Muster. Einmal im Monat erscheint eine E-Mail mit einer Mischung aus Produktneuigkeiten, einem Branchentrend, einem Veranstaltungshinweis und vielleicht einem Blogbeitrag. Der Versandtermin steht im Kalender. Am 14. wird geschrieben, am 15. wird verschickt.

Dieses Format hat ein strukturelles Problem. Die Themenmischung zwingt den Empfänger, durch drei Punkte zu scrollen, die ihn wahrscheinlich nicht interessieren, um einen zu finden, der relevant ist. In einem Posteingang, der ohnehin voll ist, reicht das oft als Grund, die E-Mail zu überspringen. Beim nächsten Mal auch. Und beim übernächsten Mal kommt die Abmeldung.

Dazu kommt der Kalenderdruck. Wenn der Newsletter am 15. rausgehen muss, wird am 14. geschrieben, egal ob es gerade etwas Relevantes zu sagen gibt. Das Ergebnis sind Texte, denen man anmerkt, dass sie eine Pflicht erfüllen. Der Leser merkt das auch. Er hat im Laufe der Jahre ein gutes Gespür dafür entwickelt, ob jemand schreibt, weil er etwas zu sagen hat, oder weil der Kalender es so vorsieht.

Was stattdessen funktioniert

Unternehmen, die von einem Monats-Newsletter auf thematische E-Mails umstellen, machen eine interessante Erfahrung. Die E-Mails werden kürzer, behandeln jeweils ein einziges Thema und gehen an eine definierte Empfängergruppe statt an den gesamten Verteiler. Die Öffnungsraten steigen, die Abmeldungen gehen zurück, und häufiger als zuvor kommen echte Antworten.

Der Grund ist einfach: Relevanz steigt, wenn man aufhört, alles an alle zu schicken. Drei gut sortierte Segmente mit je dreißig Empfängern, die eine E-Mail bekommen, die genau auf ihre Situation passt, bringen mehr als ein Verteiler mit sechshundert Kontakten, der eine Sammlung von Themen bekommt, die für die meisten irrelevant sind.

Anlassbezogenes Schreiben löst gleichzeitig das Kalenderproblem. Geschickt wird, wenn ein Gedanke da ist, der den Versand rechtfertigt. Manchmal ist das einmal pro Woche, manchmal drei Wochen lang gar nicht. Der Empfänger gewöhnt sich daran, dass eine E-Mail von diesem Absender immer einen Grund hat. Das allein hebt sie aus dem Grundrauschen im Posteingang hervor.

Beziehung erfordert Relevanz und Timing

Im B2B sind die Zeitfenster, in denen ein Kunde empfänglich für ein bestimmtes Thema ist, oft kurz. Wer gerade eine neue Website plant, interessiert sich für Conversion-Optimierung. Wer gerade Mitarbeiter verliert, interessiert sich für Employer Branding. Wer gerade ein CRM einführt, interessiert sich für Datenqualität. Eine E-Mail, die genau in so ein Zeitfenster trifft, wirkt anders als eine, die zufällig am selben Tag im Postfach landet.

Das erfordert zwei Dinge: Segmentierung und Aufmerksamkeit. Segmentierung, weil man Empfänger nach Situation und Interesse gruppieren muss, um relevante Inhalte an die richtigen Leute zu schicken. Aufmerksamkeit, weil man mitbekommen muss, was bei den eigenen Kontakten gerade passiert. CRM-Systeme liefern die Daten dafür. Aber die Entscheidung, welche E-Mail an wen geht, erfordert menschliches Urteil.

Automatisierte E-Mail-Strecken können dabei helfen, wenn sie gut gemacht sind. „Sie haben sich letzte Woche unser Whitepaper heruntergeladen" ist ein Fakt. Darauf aufzubauen zeigt Aufmerksamkeit. Wenn die Folgemail einen ergänzenden Gedanken liefert statt sofort zum Beratungsgespräch zu drängen, fühlt sich das an wie ein Gespräch, das weitergeht. Die Technik im Hintergrund ist dem Empfänger egal, solange der Inhalt stimmt.

Der längere Weg zahlt sich aus

E-Mail als Beziehungsinstrument einzusetzen erfordert Geduld. Kurzfristig gibt es keinen Umsatzsprung. Die Öffnungsrate steigt nicht über Nacht, weil die Betreffzeile weniger reißerisch ausfällt. Und der nächste Quartalsbericht wird keine Kurve zeigen, die nach oben zeigt, weil man den Newsletter abgeschafft hat.

Was stattdessen passiert, zeigt sich über Monate. Abmeldungen gehen zurück. Antworten kommen häufiger, und sie klingen anders, nämlich wie Antworten unter Geschäftspartnern, nicht wie Klicks auf einen Abmelde-Link. Kunden erwähnen im Gespräch Dinge aus den E-Mails. Und wenn ein Auftrag ansteht, rufen sie an, statt drei Angebote einzuholen.

Wer im B2B arbeitet, weiß, dass die wertvollsten Kundenbeziehungen selten aus einer einzelnen Kampagne entstehen. Sie entstehen aus Dutzenden kleiner Berührungspunkte, bei denen der Kunde jedes Mal den Eindruck bekommt: Die wissen, wovon sie reden. E-Mail kann diese Berührungspunkte liefern, regelmäßig und direkt, ohne Plattform dazwischen.

Geschrieben hat diesen Text Ralf Skirr. Seit über 25 Jahren begleitet er B2B-Unternehmen dabei, aus digitalem Marketing echte Kundenbeziehungen zu entwickeln. E-Mail-Kommunikation, die Vertrauen aufbaut statt nur Reichweite erzeugt, ist ein Thema, das seine Arbeit von Anfang an durchzieht. Tonfall, Segmentierung und anlassbezogenes Schreiben sind für ihn keine Theorie, sondern tägliche Praxis.

Als Inhaber der DigiStage GmbH, einer Agentur für digitales Marketing, arbeitet Ralf mit Unternehmen zusammen, die ihre Kundenkommunikation strategisch aufsetzen wollen. Von der ersten E-Mail-Sequenz bis zum laufenden Betrieb.

Einen Überblick über die Leistungen der Agentur finden Sie auf internet-online-marketing.de.

Ralf Skirr

Ralf Skirr

Marketing Experte seit 1987. Seit 2001 Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur DigiStage GmbH.